Was „unerwünscht“ ist, ist zunächst gar nicht so einfach zu beantworten.
Stadtplaner haben dazu Vorstellungen. Anwohnende ebenso. Verkehrsteilnehmende, Lieferdienste und Gewerbetreibende auch. Diese Vorstellungen müssen nicht übereinstimmen. Eine Straße kann für die einen eine wichtige Verbindung sein und für andere eine Belastung.
Wer möchte hier eigentlich was? Und wie sieht eine Verkehrsverteilung aus, die wir als Gesellschaft für ideal halten?
Technik braucht klare Ziele
Die Computertechnik zwingt uns, solche Fragen konkret zu beantworten. „Weniger Verkehr hier“ reicht als Beschreibung noch nicht aus. Wohin soll dieser Verkehr? Welche zusätzlichen Wege oder Belastungen sind dort vertretbar? Welche Nutzungen sollen weiterhin möglich bleiben?
NUNAV ist dabei zunächst emotionslos. Die Technologie kann gesellschaftlich gewollte Regeln und Ziele umsetzen, sofern sie klar beschrieben und technisch abgebildet werden. Was die Gesellschaft möchte, muss sie selbst klären.
Dabei sind geltende Verkehrsregeln und zusätzliche planerische Wünsche auseinanderzuhalten. Eine technische Umsetzung macht aus einem Wunsch noch keine verbindliche Regel.
Warum Shortcuts zum Problem werden können
Beim sogenannten „Selfish Routing“ wird die einzelne Fahrt unabhängig optimiert. Erscheint eine Nebenstrecke besonders günstig, kann dieselbe Abkürzung für viele Fahrzeuge attraktiv werden.
Dann erhalten möglicherweise viele Verkehrsteilnehmende dieselbe Empfehlung durch eine Wohnstraße. Das Problem entsteht durch die Summe der Entscheidungen: Eine Route, die bei geringer Nutzung sinnvoll erscheint, kann bei gebündelter Nutzung überlastet sein.
Wie NUNAV dieses Risiko reduziert
NUNAV berücksichtigt über das Reservierungsverfahren, welche Fahrten auf einer Straße bereits geplant sind. Diese erwartete Nutzung fließt in weitere Routenentscheidungen ein, bevor die Fahrzeuge dort ankommen.
Der vermeintlich freie Shortcut wird deshalb nicht für jedes weitere Fahrzeug wieder so behandelt, als wäre seine Nutzung unverändert. Der Verkehr wird aufgeteilt. Damit wirkt NUNAV einer übermäßigen Bündelung auf einzelnen Nebenstrecken bereits durch seine Funktionsweise entgegen.
Das bedeutet nicht, dass Wohnstraßen pauschal ausgeschlossen werden. Es bedeutet, dass ihre erwartete Nutzung bei der Verteilung berücksichtigt wird.
Längere Wege brauchen eine eigene Bewertung
Die schnellste Strecke ist nicht immer die kürzeste. Ein längerer Weg kann weniger Zeit benötigen, weil dort der Verkehr fließt. Ob damit auch weniger Energie verbraucht wird, hängt unter anderem vom Fahrzeug und vom Fahrverlauf ab.
Deshalb braucht auch diese Frage ein klar beschriebenes Ziel. Geht es um Reisezeit, Fahrzeugkilometer, Emissionen oder die Belastung bestimmter Straßen? Diese Ziele können zusammenpassen, müssen es aber nicht.
Eine einzelne Fahrt durch eine Wohnstraße beantwortet die Frage nach der Wirkung einer Navigation deshalb noch nicht. Entscheidend ist, wie sich die Verkehrsverteilung insgesamt verändert – und anhand welcher Ziele sie beurteilt wird.



