Wer Transporte bündelt, spart Kilometer, Fahrzeuge und Arbeitszeit. Das gilt allerdings nur, solange die Bündelung erlaubt ist.
Eine Optimierung sucht die günstigste Zuordnung von Aufträgen zu Fahrzeugen. Ohne Regeln findet sie auch Zuordnungen, die auf dem Papier effizient und in der Praxis unzulässig sind: Arzneimittel für den Bereich 2 bis 8 °C in einem ungekühlten Transporter, Gefahrgut auf einer Tour ohne geschultes Fahrpersonal, Speisen, die eine Stunde nach der Ausgabezeit auf der Station ankommen.
Solche Fehler fallen nicht in der Planung auf, sondern erst an der Rampe.
Eine Optimierung ist nur so gut wie die Regeln, die sie kennt.
Woher die Regeln kommen
Die Regeln einer Tourenplanung sind unterschiedlicher Herkunft. Manche sind gesetzlich oder normativ vorgegeben, etwa durch das Gefahrgutrecht oder die Gute Vertriebspraxis für Arzneimittel. Manche stammen aus Verträgen und Hygienekonzepten. Und manche sind Erfahrung: Dieses Fahrzeug passt nicht in die Einfahrt, jene Annahme ist mittags nicht besetzt.
Für die Planung ist die Herkunft zunächst gleichgültig. Wichtig ist, dass die Regel im System steht und nicht nur im Kopf der Disposition. Eine Regel, die nur eine Person kennt, gilt nur, solange diese Person plant.
Anforderungen und Eigenschaften
NUNAV bildet solche Regeln als Anforderungen und Eigenschaften ab. Ein Auftrag verlangt etwa Kühlung, eine Hygieneschulung oder eine Gefahrgutausrüstung. Fahrzeuge, Fahrpersonal und Transportpartner bieten Eigenschaften an. Geplant wird nur, was zueinander passt.
Geprüft wird dabei in beide Richtungen. Auch ein Fahrzeug kann Anforderungen stellen, etwa an die Qualifikation der Person, die es fährt. Neben dem bloßen Vorhandensein einer Eigenschaft lassen sich Werte vergleichen, zum Beispiel eine Mindestgröße oder ein Höchstgewicht. Ebenso lässt sich festlegen, was ausdrücklich nicht vorhanden sein darf.
Die Optimierung sucht anschließend nur unter den zulässigen Zuordnungen nach der besten. Bleibt ein Auftrag ungeplant, zeigt NUNAV an, warum er nicht eingeplant werden konnte.
Kapazität hat mehr als eine Dimension
Ob eine Ladung passt, ist selten eine Frage des Gewichts allein. Rollcontainer, Transportwagen und Sterilgutcontainer belegen Stellplätze, Kartons Volumen, und manchmal braucht ein Betrieb eine eigene Größe, die nur für ihn zählt.
NUNAV plant deshalb mit mehreren Kapazitäten gleichzeitig: Gewicht, Volumen, Stückzahl und weitere, frei festgelegte Dimensionen. Jede kann eine Grenze für den Regelfall und eine äußerste Grenze haben. Fahrzeuge lassen sich zudem in Fächer unterteilen, die jeweils nur eine Art von Ladung aufnehmen. Auch Anhänger werden als eigene Kapazität geplant.
Zeit ist auch eine Regel
Zeitfenster gehören ebenfalls zum Regelwerk. Die Speisenausgabe hat eine feste Uhrzeit, die Warenannahme feste Öffnungszeiten, und manche Standorte dürfen zu bestimmten Zeiten gar nicht beliefert werden. NUNAV berücksichtigt Lieferzeitfenster am Auftrag sowie Öffnungs- und Sperrzeiten am Standort.
Abholungen, Zustellungen und Serviceaufträge stehen dabei im selben Plan. So lassen sich auch Kreisläufe gemeinsam planen, in denen dasselbe Fahrzeug bringt und mitnimmt, wie beim Sterilgut in der Krankenhauslogistik.
Prüfen, bevor die Tour losfährt
Auch ein gutes Regelwerk deckt nicht jeden Fall ab. Manchmal wird ein Auftrag von Hand verschoben, manchmal fehlt eine Angabe, manchmal ergibt die Optimierung eine Tour, die rechnerisch zulässig und trotzdem ungewöhnlich ist.
NUNAV prüft Touren deshalb vor der Freigabe. Welche Prüfungen ein Depot anwendet, legt es selbst fest. Geprüft werden kann zum Beispiel, ob alle Anforderungen erfüllt sind, wie stark die Fahrzeuge ausgelastet sind, ob Aufträge ungeplant geblieben sind, ob ein Standort doppelt angefahren wird, ob ein Stopp weit abseits der übrigen liegt, ob zwischen nahe beieinanderliegenden Stopps auffällige Zeitsprünge entstehen und wie viel Wartezeit eine Tour enthält.
Ein Befund kann ein Hinweis sein oder die Freigabe blockieren. Eine blockierende Prüfung lässt sich nur mit einer Begründung übersteuern, und nur von Personen mit der passenden Rolle. Jeder Freigabeversuch wird mit seinen Befunden festgehalten. Damit bleibt auch später sichtbar, wo jemand bewusst von der Regel abgewichen ist.
Die entscheidende Frage
Für das Bündeln ist deshalb weniger entscheidend, wie viele Aufträge auf ein Fahrzeug passen. Die wichtigere Frage lautet: Steht das Regelwerk im System oder nur in den Köpfen?
Wie wir unterstützen
Ein Regelwerk entsteht nicht am Schreibtisch, sondern aus dem Betrieb. Wir erarbeiten es gemeinsam in drei Schritten:
- Bestandsaufnahme: Welche Regeln gelten heute, und wo stehen sie? Wir sammeln sie aus Verträgen, Hygienekonzepten, Fahrplänen und Gesprächen mit der Disposition.
- Abbildung: Gemeinsam übersetzen wir sie in Anforderungen, Eigenschaften, Kapazitäten und Zeitfenster und legen fest, welche Prüfungen vor der Freigabe laufen.
- Betrieb: Befunde und übersteuerte Prüfungen bleiben sichtbar. Wo sich eine Regel als zu streng oder zu lose erweist, passen wir sie an.



